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DAS THEMA


In vielen armen Ländern ist der Grund für die Armut von Mädchen und jungen Frauen die Armut der Eltern. Diese haben keine andere Wahl, als Prioritäten in der Verteilung ihrer knappen Ressourcen zu setzen. Insbesondere wenn es um die Bildung ihrer Kinder geht, werden männliche Nachkommen in der Hoffnung bevorzugt, dass die Investition sich auszahlt und sie eines Tages ihre Eltern unterstützen können. Die Bevorzugung von Söhnen ist später auch eine Altersvorsorge für Eltern, da Töchter in vielen Kulturen traditionell nach der Heirat die Familie verlassen. Vorangetrieben wird diese Prioritätensetzung auch durch Rollenbilder, nach denen die Ausbildung weiblicher Nachkommen von vornherein verschwendetes Geld ist, da Bildung für Hausarbeit, zum Wasserholen, zur Feldarbeit und nach früher Heirat ohnehin nicht gebraucht wird. Der Bildung von Mädchen wird einfach kein Wert beigemessen.

Armut, größtenteils durch Diskriminierung aufgrund des Geschlechts begründet, kann überwunden werden. Diese Schlussfolgerung haben schon viele vor uns gezogen. Wie unsere Vorgängerinnen, verstehen wir, dass die Probleme vielseitig und strukturell sind. Unsere Aufmerksamkeit wird daher auf der Stärkung der Handlungskompetenz und Selbstbestimmung (Empowerment) von Mädchen und Frauen liegen. 

Der erste Schritt in diese Richtung ist der Zugang zu Bildung und Ausbildung. Obwohl die meisten öffentlichen Grundschulen in Asien und Afrika keine Schulgebühren verlangen, müssen Eltern dennoch Schuluniformen, Bücher und, in manchen Fällen, sogar Zuschüsse zum mageren Gehalt der Lehrkräfte bezahlen. Diese Kosten allein sind für viele nicht aufzubringen. Darüber hinaus fehlt es in vielen ländlichen Gebieten entweder an erreichbaren Schulen oder an Lehrpersonal. Um aus den ländlichen Gebieten in die Städte zu kommen, in denen Schulen besucht werden könnten, fehlt es vielerorts an öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn es sie gibt, droht Mädchen und Frauen unterwegs sexuelle Belästigung und Vergewaltigung. Zum Schutz behalten viele Eltern ihre Töchter zu Hause. Wenn Mädchen tatsächlich eine Schule erreichen können, sind die sanitären Anlagen das nächste Problem. Sowohl auf dem Land, als auch in den Städten gibt es oft keine "richtigen" Toiletten - und noch seltener mit fließen dem Wasser, die Mädchen benutzen könnten. Spätestens bei der ersten Menstruation wird die Hygiene zu einem Problem. Dazu kommt, dass sexuelle Belästigung und drohende Vergewaltigung Mädchen und Frauen aus den Verkehrsmitteln in die Schulen folgen. Bei Erreichen der Pubertät sind ungewollte Schwangerschaften natürlich eine echte Sorge und in vielen Gebieten Asiens und Afrikas ein reales Problem. Die mangelnde sexuelle und reproduktive Aufklärung, sowie Beratung zur Familienplanung, verschlechtern die Situation für Mädchen und Frauen zusätzlich. Sowohl zu Hause, als auch in Schulen ist Sex und alles, was damit verbunden ist, ein Tabuthema. Diese Kombination aus fehlender Bildung und fehlender Möglichkeit  zur sexuellen Selbstbestimmung gipfelt in den zahlreichen Kinderehen, was wiederum in vielen armen Ländern eine hohe Anzahl von Schwangerschaften bei Minderjährigen bedingt. Besonders arme Nationen leiden zudem unter den Konsequenzen mangelnder medizinischer Versorgung. Entbindungen finden in der Regel zu Hause statt, wo die Situation durch lebensbedrohliche Komplikationen verschärft wird. Schwere Blutungen, Infektionen und weitere widrige Umstände führen zu einer hohen Müttersterblichkeitsrate. 

Wenn sie die Geburt überleben, werden Töchter oft sehr jung selbst zu Müttern, womit der Kreislauf von Neuem beginnt. Sie kümmern sich um den Haushalt, versorgen ältere Verwandte, leisten in Asien und Afrika beinahe 60% der harten landwirtschaftlichen Arbeit [1]- wie durch ihre Eltern in der Verteilung ihrer Ressourcen vorhergesehen. Verglichen mit ihrem Anteil an der landwirtschaftlichen Arbeit, besitzen Frauen unverhältnismäßig niedrige 13% des Ackerlandes. Gleichzeitig werden sie in dieser Arbeit nicht durch Arbeitnehmerrechte oder einen funktionierenden Sozialstaat geschützt. Konsequenzen daraus sind niedrige Löhne, gesundheitliche Probleme, wenig Zugang zu staatlichen Sozialleistungen, praktisch keine Chancen auf sozialen Aufstieg, eingeschränkte Entscheidungsfreiheit, wenig Zugriffmöglichkeiten auf Kredit, usw. Vor Allem wird es schwieriger, sich zurück in die Ausbildung zu begeben, wenn die eigene Familie von einem abhängt.

Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind ohnehin gering. An allen aufzählten Scheidepunkten trifft ein Teil der Eltern mit oder für ihre Töchter die Entscheidung, dass die schulische Bildung abgebrochen werden muss. In vielen Familien werden Söhne ohnehin priorisiert, und das Geld reicht nicht für Töchter; für andere Familien sind spätere Hindernisse entscheidend. Eine Konsequenz aus all diesen Faktoren ist, dass es mehr als der Hälfte aller armen Frauen in ländlichen Gebieten an grundlegenden Lese- und Schreibkompetenzen fehlt. Mangelnde Bildung schränkt wiederum ihre Entscheidungsfreiheit weiter ein. Übergreifend leidet ihr individuelles und soziales Wohlergehen.

Das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in Entwicklungsländern in Asien und Afrika kann in vielen Fällen auf Armut zurückgeführt werden. Sogar in der Essensverteilung wird klar, wie strukturell die Benachteiligung ist. Schätzungsweise beträgt der Anteil der Frauen an allen chronisch hungrigen Menschen weltweit rd. 60% [2]. Dieses Beispiel veranschaulicht, dass wir mit unserem Beitrag nur begrenzt helfen können, aber wir hoffen, dass selbst ein kleiner Tropfen Wellen schlagen wird. Angetrieben werden wir vom Wissen, dass Investitionen in die Bildung von Mädchen und Frauen schon innerhalb einer Generation dazu beitragen können, dass der beschriebene Teufelskreis der Armut durchbrochen wird [3]. Sie schaffen langfristige soziale und wirtschaftliche Vorteile für alle Menschen, ihre Gemeinschaften und die Welt als Ganzes. Die Ausbildung von Mädchen und Frauen ist der entscheidende Faktor für den Fortschritt praktisch aller Entwicklungsergebnisse, von Sterblichkeitsrückgängen über Wirtschaftswachstum, bis hin zu Demokratie und Gerechtigkeit. 

Studien und Forschung [4] zeigen, dass gebildete Mädchen und Frauen:

1. ihr persönliches Verdienstpotenzial erhöhen.
(Nur ein Jahr Schulbildung ab dem 10. Lebensjahr korreliert im späteren Leben mit einem Lohnanstieg von circa 25%.)

2. wesentlich zum Wirtschaftswachstum beitragen.

3. bis zu 90% ihres Einkommens direkt in ihre Familien investieren, im Vergleich zu 30-40% bei Männern.

4. gesündere und besser ausgebildete Kinder haben. 
(Gebildete Frauen bieten Kindern bessere Ernährung und Gesundheitsfürsorge und geben mehr für sie aus.).

5. kleinere und nachhaltigere Familien haben. 
(Für jedes zusätzliche Jahr an Ausbildung einer Mutter erreicht ein Kind durchschnittlich zusätzliche 0,32 Lebensjahre.)

6. nicht sehr früh heiraten.

7. seltener jung Kinder bekommen.

8. ihre landwirtschaftlichen Erträge um bis zu 40% erhöhen können und damit helfen können, den globalen Hunger zu stillen.

9. u.s.w.

 

[1] http://www.unwomen.org/en/news/in-focus/commission-on-the-status-of-women-2012/facts-and-figures

[2] https://www.worldhunger.org/women-and-hunger-facts/

[3] https://www.globalpartnership.org/blog/why-educating-girls-makes-economic-sense

[4] https://www.usaid.gov/letgirlslearn